Waterloo
9. Juni 2008 | Von scarlett | Kategorie: Erotische Geschichten, Pleiten Pech & PannenMein erstaunlich widerstandsfähiger Dornröschen-Prinz ( der aus der vorigen Erzählung ) hat mir einen zauberhaften Abend bereitet.
Wir haben hervorragend gespeist, gelacht und geflirtet, was das Zeug hält. Auch die Drinks in der anschließenden Karibik-Bar waren vom Feinsten. Nach Mitternacht hat er charmant *smile* den nächsten Ortswechsel anmoderiert : gemeinsam zurück in meine Zweit- Wohnung, mein funktionelles Liebesnest ! ” Na, das könnt’ ja heute noch was werden mit uns beiden ….”, hab ich mir gedacht.
Endlich privat ! Romantik pur, gedämpftes Licht, inniges Geplauder, Händchen halten, nach wie vor kein Kuss. Und um den heissen Brei hat er auch noch herumgeredet. Dann kam statt einer Liebes- oder Absichtserklärung seine alles entscheidende Frage : ” Darf ich bei dir duschen ? ”
Ich hab ihm den Weg zum Bad gezeigt und bin enttäuscht und verärgert ins Wohnzimmer zurückgekehrt.
Was war das jetzt ? Soll ich mir aus dieser eigenartigen Frage eine Aufforderung für gemeinsame Freuden selbst herauslesen ? Was soll das werden, wenn er mit mir über unser gemeinsames Vorhaben nicht einmal plaudern mag ? Verwechselt er meine einladende Bleibe mit dem Krapfenwaldl-Bad ?
Ich hab also schweren Herzens, aber doch mit Überzeugung beschlossen, mich an die Fakten zu halten. Duschen ? Aber gerne !
Die Brause trällerte ihr plätscherndes Liedchen, und mein beschwingter Kavalier hat sich dabei einigermaßen beeilt. Anschließend ist er auf dem Gang vor dem Badezimmer erschienen. Wunderschön zu betrachten, ganz wie Gott ihn schuf, hat er sich mit kessem Hüftschwung knusprig präsentiert. Auch die große Vorfreude auf das kommende Vergnügen war ihm anzusehen, bis er mich erblickt hat:
Fix fertig zum Fortgehen angezogen, mit Wintermantel und Schneestiefeln bewaffnet, hab ich ihn erstaunt gemustert.
“Hmmm…..Ich weiss jetzt nicht, wieso du nackt hier herumläufst… du wolltest doch nur duschen ?“ war meine lakonische Frage.
Er ist erstarrt, knallrot angelaufen und hat ein paar Worte des Bedauerns gestottert. Seinen Fehler hat er bitter bereut und den sofortigen Rückzug ins Badezimmer angetreten. Insgeheim hab ich gelacht am Gang, jetzt waren wir wieder quitt : seine Feigheit gegen meinen Verzicht.
Es hat ihn sehr gewurmt, seine Chance auf eine kuschelige Liebesnacht so ungeschickt verspielt zu haben. Umso mehr hat er sich in den nächsten Tagen ins Zeug gelegt. Ganz goldig ist er geworden, herzensinnig und richtig unwiderstehlich. Er hat sogar die richtigen Worte gefunden, sodass wir eines schönen Abends dann doch noch ans Werk geschritten sind.
Und Wintermantel für den eleganten Rückzug aus der ungeklärten Lage hab ich auch keinen mehr gebraucht !